Tibet Tagebuch Zhongdian

Als erstes besuchen wir das Kloster Sumsanling, auch Songzanlin genannt. Der vor 300 Jahren vom 5. Dalai Lama gegründete Klosterkomplex beherbergte noch 1958 rund 1300 Mönche des Gelugpa-Ordens. Nach der fast vollständigen Zerstörung durch die Chinesen (1959) begann ab 1982 der systematische Wiederaufbau des Klosters. Heute können wieder mehrere Hundert Mönche in den Gebetshallen ihre buddhistischen Übungen verrich-ten. Am Nachmittag unternehmen wir eine 5-stündige Wanderung zum Napa See im Grasland nordwestlich von Zhongdian. Vom Kloster Sumsanling aus wandern wir zunächst ein kurzes Stück entlang einer befahrbaren Piste (3 km). Danach sind wir abwechselnd durch Grasland, Steppe und Hügellandschaft etwa 12 km bis zum See unterwegs; wir halten uns in einer Höhe von 3300 m auf. Vom Napa-See fahren wir zurück nach Zhongdian.

VisitChina.de Tagebucheintrag Tibetreise 1: Zhongdia, Shangri La

In der fruchtbaren Ebene des Gyeltang-chu, eines Nebenflusses des Yangtze, liegt unser Fahrtziel Zhongdian (ca. 3340). Die Stadt im Nordwesten von Yünnan trägt auch einen tibetischen Namen, Gyeltang Dzong. Zu ihren Bewohnern zählen Tibeter sowie Han Chinesen und mehrere Ethnien, wie die Bai, Hui und Naxi. Rund 7000 Pflanzenarten sollen in dieser Region gedeihen, darunter so seltene wie der Blaue Mohn und etwa 200 Rhododendron- Arten.

VisitChina.de Tagebucheintrag Tibetreise 1: Zhongdia, Shangri La

Leider auch heute morgen wieder Regen, tiefliegende Wolken und etwas Neuschnee auf den Bergen, doch als wir weiter ueber den Pass fuhren kam teilweise die Sonne raus. Als wir auf dem Weg nach Zhongdian an einem Kloster Halt machen, war ich schockiert: Ein ganze Horde professioneller Fotografen, eine weitere Crew die scheinbar fuer den VW Touareg filmten war vor uns ueber das Kloster uns seine Moenchen hergefallen! Ich weis nicht ob es daran lag, dass ich 2 Wochen lange keine Touristen gesehen habe, oder vielleicht fuehre ich mich ja beim Fotografieren auch so ruecksichtslos auf, aber ich fand das Szenario einfach abstossend. Wenn das die Zukunft des Tourismus in Tibet ist, dann bin ich froh noch vorher hier gewesen zu sein… Ich denke als reaktion schliessen die Tibetischen Kloester ihre Pforten in Zukunft entweder ganz, oder aber sie schlachten das Finanziell gnadenlos aus – beides waere traurig.

VisitChina.de Tagebucheintrag Tibetreise 1: Meili Xueshan

Heute führt uns eine Wanderung zum Gletscher des Meili Xueshan. Es regnet , es ist kalt…. Der Berg Meili, ein (theoretisch) schöner, von 8 Gipfeln gekrönter Schneeberg, liegt im Grenzbereich Yünnan/Tibet. Der Kawagabo (Kawa Karpo), sein höchster Gipfel, zugleich die höchste Erhebung von Yünnan, ragt 6740 m in den Himmel. In Kham und Amdo werden diese weißen Berge mit Padmasambhava in Zusammenhang gebracht und verehrt, sie sind ein wichtiges Pilgerziel. Von Dechen fahren wir in etwa 2 Stunden zum Dorf Mingyong (2300 m), unserem Ausgangspunkt. Zu Fuß geht es nun weiter zum Tempel Taizi (Tempel des Prinzen; 2750 m), wo sich die Gletscherzunge befindet. Für die 7 km lange Strecke (700Hoehenmeter) benötigen wir rund 2 Stunden. Tallandschaften, Urwald und Gletcher – die kontrastreiche Landschaft dieser Tagesetappe beschert uns viele neue Eindrücke…das schoenste war aber die warme Dusche danach im Hotel.

VisitChina.de Tagebucheintrag Tibetreise 1: nach Dechen

Wir befinden uns in einer dicht besiedelten, fruchtbaren Region, die sich auf den Hochflächen zwischen Mekong und Yangtze erstreckt. Stattliche, meist mehrgeschossige Häuser aus weiß gekalkten Adobeziegeln sind typisch für diese Gegend. Leider bleibt wenig Zeit fuer Fotos, weil wir bis 12 Uhr eine Baustelle am Pass erreichen muessen, die taeglich nur kurz fuer Fahrzeuge offen ist. Morgens ist das Wettre schoen, zieht aber dann zu und es beginnt zu regenen. Südlich von Markam erreichen wir Dechen (Deqin ?). Der gleichnamige Bezirk umfasst das Tal des Mekong südlich von Tsakalho sowie die Bergkette Meili Xueshan…leider ist wegen den schlechten Wetter von den Bergen nichts zu sehen.

VisitChina.de Tagebucheintrag Tibetreise 1: nach Markam

Um die verlorene Zeit auf dem Weg nach Markam (3700m) wieder aufzuholen, klingelte der Wecker heute schon um 5:20 und wieder standen uns 12 Stunden Fahrt bevor. Auf dem Weg sahen wir dann einen einsamen Wolf am Strassenrand auf uns blicken. Leider hatten wir auf einem der engen Gebirgsstrassen einen Uunfall mit einem Lastwagen, dessen Fahrer leider kein Geld hatte den Schaden zu bezahlen. Da half es auch nichts den armen Kerl 2 Stunden weiter in Markam auf die Polizei zu schleifen.

VisitChina.de Tagebucheintrag Tibetreise 1: Qamdo

Da derzeit ein Festival in Qamdo stattfindet beschliessen wir eine weitere Nacht zu bleiben und nicht in Bangda zu uebernachten. Morgens besuchen wir eine Open-Air-Tanzvorfuehrung, wo wir fuer die Einheimischen und die Fernsehkamears leider mehr attraktiv waren als die eigentliche Show… Auch vom anschliessende Ringkampf liessen sich viele Tibeter durch unsere Anwesenheit ablenken. Anschliessend besuchten wir das auf einem Plateau über der Stadt liegende Kloster Qiangbalin, in dem heute etwa 700 Mönche leben. Im 15. Jh. von einem Schüler Tsongkhapas gegründet, gilt es als das älteste und eines der größten Gelugpa-Klöster von Kham. Im 20. Jh. wurde es leider mehrmals zerstört, doch einige Gebäude der ursprünglich das ganze Plateau bedeckenden Anlage wurden wieder aufgebaut. Sehr interessant fand ich die Kueche (fuer Frauen verboten) in der man sich ins Mittelalter zureuckversetzt fuehlt. Riessige, russige Toepfe, ueber Holzfeuer – von oben faellt ein schwacher Lichtrahl durch die Dachbalken auf den ueber den Ofen gelagerten Raeucherkaese. Im Kloster herrscht uebrigens ausdrueckliches Fotografierverbot. Abends hatte wir das Glueck, durch gute Beziehungen einer Hotelanbgestellten, die uns uebrigens den ganzen Tag durch bdie Stadt gefuehrt hat, an Karten fuer die Folkloreauffuehrung im oertlichen Theater zu kommen.

VisitChina.de Tagebucheintrag Tibetreise 1: nach Qamdo

Eine sehr lange und schwierige Fahrt nach Qamdo (3200 m), einer der größten Städte Osttibets liegt vor uns. Die unglaublich schlechte, sandige Strasse schein kein Ende zu nehmen und alle hoffen, dass die Wasserpumpe des Toyota, die seit gestern leckt durchhaellt. In grossen Hoehen schlaengeln sich die Serpentinen unablaessig auf- und ab. Zwischendurch schine Fotomotive (Drachruecken), aber wir muessen weiter…Erst als der Damala-Berg bewaeltigt ist, liegt Qamdo nach 12 Stunden schaukelnder Fahrt unter uns im Tal. Unterwegs besuchen wir eine Familie in Ihrem Holzhaus. Man baut hier eine Art von Blockhaeusern, die im Inneren sehr dunkel und russig sind. Da wir uns nun in der Provinz Tibet befanden und zudem noch in einem fuer Touristen nicht freigegebenen Bereich, mussten von unserem Reisefuerer erstmal die Formularitaeten bei der Polizei getaetigt werden. In den vorher beantragten Berechtigungsschreiben sind genau der Zeitraum und (!) die Ort fuer unseren Aufenthalt eingetragen – ohne das geht hier nichts !