VisitChina.de Tagebucheintrag Tibetreise 1: nach Derge

Wir nähern uns Dege (Derge), 110 km von Manigango entfernt. Die Stadt wird oft als kultureller Mittelpunkt von Kham betrachtet. Dege zählt noch heute mehr Tibeter als Chinesen zu seinen Bewohnern. Wir folgen einer rauen Hochgebirgsstraße und unternhemen am Xinlu, einen sehr schönen, als heilig verehrten Gletschersee, und den Vogelberg (Chola Shan) eine kleine Wanderung. Treffe im Dege Tony, dem Chef vom Cotton Club und Plant Shanghai, wo wir oft zum Essen gehen …wieder kleine Welt. Bekannt ist Dege für seine 250 Jahre alte Druckerei, einst die größte von ganz Tibet. Untergebracht ist die Druckerei in einem dreigeschossigen, imposanten, mit Fresken geschmückten Gebäude. Von einem Innenhof aus kann man den Tempel im Erdgeschoss, eine Kapelle im Obergeschoss und die Druckerei im 1. Stock betreten. Hier spielt sich der gesamte Druckprozess ab – von der Vorbereitung des Papiers über die Herstellung der Druckstöcke bis hin zum eigentlichen Druckvorgang.

VisitChina.de Tagebucheintrag Tibetreise 1:

Heute steuern wir Manigango, einen Verkehrsknotenpunkt im Grasland von Derge an (190 km). Weil wir im Kloster uebrnachtet haben muessen wir schon frueh los, geniessen dadurch aber auch den schoenen Sonnenaufgang. Eine kleine Wanderung (etwa 3 km) zum Kloster Dzochen unterbricht unsere Fahrt. Das Kloster liegt versteckt in einem wunderschönen, von verschneiten Gipfeln über-ragten Tal in etwa 4020 m Höhe. Dzochen, gegründet Ende des 17. Jahrhunderts, gehört zu den größten Klöstern der Nyingma Schule in Kham und ist eine beliebte Pilgerstätte, bekannt auch für seine Meditationsklausen. Mittag machen wir ein Picknick ueber einem gruenen Tal …unten weiden Yaks am Fluss und blauer Raquch steigt aus dem Nomadenzelten auf. Übernachtung in einem einfachen Gästehaus.

VisitChina.de Tagebucheintrag Tibetreise 1: nach Sershui

Wieder im Fahrzeug geht es auf schwieriger Piste nach Shiqu (Serxu?). Insgesamt sind 150 km zu bewältigen, doch legen wir unterwegs auch eine Pause ein und das Kloster Sershul besuchen. Das große, von etwa 800 Mönchen bewohnte Gelugpa-Kloster liegt in-mitten einer weiten, hügeligen Landschaft auf über 4000 m Höhe. Nachdem sich herausstellte, dass ein Taiwanese hier ein neues Gaestehaus gebaut hat, aenderten wir unseren Plan und uebernachteten hier, anstatt weiter nach Shiqu zu fahren. Derzeit wird das ganze Kloster neu renoviert bzw wieder aufgebaut, nachdem es waehrend der Kulturrevolution von den Chinesen zerstoert wurde.

VisitChina.de Tagebucheintrag Tibetreise 1: Yushu

Der Tag stand uns für den Besuch verschiedener Klöster zur Verfügung. Yushu und Umgebung gilt als eines der letzten Zentren der nicht reformierten Schulen des tibetischen Buddhismus. Jiegu, Longxi und das Kloster der Prinzessin Wengcheng stehen auf unserem Programm. Der Name der Prinzessin Wengcheng ist eng mit der berühmten goldenen Buddhafigur des Jowo Sakyamuni verknüpft, die heute das zentrale Heiligtum des Jokhang von Lhasa, Tibets heiligstem Tempel, bildet. Die Prinzessin brachte die Statue 641 als Mitgift nach Tibet, als sie König Srongtsen Gampo heiratete. Unter dem Einfluss seiner buddhistischen Ehefrauen bekannte sich Srongtsen Gampo zum Buddhismus und erhob ihn zur herrschenden Religion, weswegen er als „Religionskönig“ In die Geschichte Tibets eingegangen ist. Beiindruck hat mich auch die riesige Mani-Mauer, auf der angeblich ueber 2.3Mrd Steine liegen. Wollte hier urspruenglich einen schoen gravierten Stein kaufen, aber leider waren alle neuen ziemlich lieblos gefertigt und oft kitschig bunt bemalt. Anderseits hatte ich Respekt vor den schonen, alten Steinen auf der Mauer und so habe ich dort natuerlich keinen weggenommen.

VisitChina.de Tagebucheintrag Tibetreise 1: nach Yushu

Morgens erwachen wir bei nebeligen Wetter, der aber ploetzlich aufreist und uns einen wunderschoenen Tag beschert. Auf dem Weg nach Yushu (3700 m) überqueren wir den dort noch kschmalen Gelben Fluss, wo ich ein bischen Sand mitnehme und später den über 5000 m hohen Bayankala Pass. Der gleichnamige Gebirgszug trennt Amdo vom südlich gelegenen Kham und bildet die Wasserscheide zwischen Gelbem Fluss (Huang He/Machu) und Yangtze (Drichu). Östlich der Berge befindet sich das Einzugsgebiet des Gelben Flusses, westlich der Berge strömen die Gewässer dem Goldsandfluss (Jinsha Jiang), wie der Oberlauf des Yangtze genannt wird, zu. Wuerde ich mich hier in ein Boot setzen, kaeme ich fast 6000km spaeter in Shanghai an (vorausgesetzt ich wuerde u.a. die wilde Tiger-Sprung-Schlucht ueberleben, was noch Weningen gelungen ist) Leider darf man in China grosse Fluesse mit Bruecken nicht fotografieren, weil sie militaerisch sensibel sind. Seen säumen streckenweise unseren Weg durch die einsame Landschaft baumloser Hochflächen und Bergketten. Wir finden ein neues Kloster, in dem vor tausende Gebetsfanen wehen und die Kameras ein Bild nach dem anderen machen. Spaeter besuchen wir wieder sehr freundliche Nomaden, bei denen sich eine Nonnen um das erst einen Monat alte Baby kuemmert. In der Bezirkshauptstadt Yushu übernachten2 Tage in einem einfachen Hotel.

VisitChina.de Tagebucheintrag Tibetreise 1: nach Madoi

Heute geht es hoch nach Madoi (4300 m), wo selbst im Sommer Schnee keine Seltenheit ist (etwa 460 km Fahrt). Im Osten unseres Etappenziels erhebt sich der Amnye Machen, der heilige Berg der Golok Nomaden, der die ganze Region beherrscht. 18 eisbedeckte Fünf- und Sechstausender gehören zu diesem gewaltigen Gebirgsstock, dessen Hauptgipfel 6282 m Höhe erreicht. Leider ist das Wettre heute schlecht, so dass wir nicht viel von den Bergen sehen koennne. Auf den Hochweiden lassen die Golok-Nomaden ihre Yak- und Schafherden grasen. Wir besuchen zweimal spontan Familien in Ihren Zelten, was mich sehr beindruckt. Sie sind sehr freundlich (die Hunde nicht) und bieten uns Buttertee und Joghurt an. Zwischendurch geraten wir in einen heftigen Hagelsturm. Nach der Ankunft in Madoi beziehen wir unsere Zimmer in einem sehr einfachen Gästehaus. Leider wirkt sich jezt meine Erkaeltung bei diesen Hoehen so auf meine Athemwege aus, das dich die ganze Nacht fast nciht schlafen kann – habe immer wieder das Gefuehl zu ersticken.

VisitChina.de Tagebucheintrag Tibetreise 1: Koko Nor

Steigen heute vom Bus auf zwei Gelaendewaegen um, weil das Gelaende schwieriger wird. Leider bleibt auf dem Fahrten auch nicht viel Zeit um Landschaftsfotos zu machen. Die ersten Yaks tauchen auf. Unterwegs zum Koko Nor ( Blauer See, der grösste in China) besuchen wir das Kloster Kumbum Dschamba Ling, einer der heiligsten Plätze auf asiatischem Boden. Mit dem Bau des Tsongkhapa (1357-1419) gewidmeten Klosters wurde 1560 begonnen. Nach Fertigstellung wurde es noch oft erweitert, so dass die Anlage während ihrer Blütezeit 52 Hallen und Tausende von Gebets- und Meditationsräumen sowie Mönchszellen umfass-te. Bei den 8 weiß gekalkten Chörten (die für die 8 bedeutenden Stationen im Leben Buddhas stehen) betritt man die Anlage. Tibetischer Überlieferung nach soll an der Stelle, wo Tsongkhapa zur Welt kam, ein Sandelholzbaum gewachsen sein, auf dem später, durch seinen Einfluss, überall auf den Blättern tausendfach die Bilder Buddhas erschienen. Der Wunderbaum befindet sich jetzt in einem reich geschmückten Chörten im Inneren des Gol-denen Tempels, der das zentrale Heiligtum Kumbums bildet. Berühmt ist das Kloster auch für seine bunt bemalten Skulpturen aus Yakbutter, die für bestimmte Klosterfeste von begabten Mönchen schon Wochen vorher angefertigt werden. Die Bedeutung von Kumbum Dschamba Ling wird auch dadurch hervorgehoben, dass der 14. Dalai Lama in einer benachbarten Gemeinde das Licht der Welt erblickte. Leider darf man in den Kloestern oft nicht fotografieren, aber manchmal gelingt es doch die Kamera heimlich auszuloesen. Wir setzen unsere Fahrt über den Sonne-Mond-Berg-Pass (3520 m), über den die große Karawane der Prinzessin Wengcheng im 7.Jh. nach Lhasa gezogen war, fort und übernachten in einem einfachen Gästehaus am See. Heute heißt der See chinesich Qinghai = Blaues Meer, tibetisch Tso Ngombo = Blauer See. Die bekannte Version Koko Nor = Blauer See stammt aus dem Mongolischen.

VisitChina.de Tagebucheintrag Tibetreise 1: Ueber Tongren nach Xining

Eine lange, doch abwechslungsreiche Fahrt über Tongren (2400 m) nach Xining liegt vor uns, wir sind den ganzen Tag unterwegs. Kahle, braun- und ocker-farbene Hügel umgeben das in einem Tal liegende Städtchen Tongren. Auf den Feldern gedeihen Kartoffeln und Weizen. In der Umgebung von Tongren gibt es kleine, von Baumgruppen beschirmte Dörfer. Jedes hat einen kleinen Tempel oder ein Kloster, die meisten sind über 200 Jahre alt. Als traditionelle Stätte tibetischer Kunst zieht Tongren noch heute Künstler an. Es heißt, die Mönche des lamaistischen Klosters Wutong/Wutun Si (17.Jh.), seien alle begabte Maler und Bildhauer. Wir legen eine kurze Besuchspause bei Wutong Si und Longwu Si (Si = Kloster), dem ältesten tibetischen Kloster Amdos, ein. Das Wutong Si Kloster war urspruenglich an diesem Tag fuer Gaeste geschlossen, weil eine grosser Lama Untericht gab. Durch etwas Glueck kam wir dann aber doch in den Vorhof, wo hunderte Glaeubige den Worten lauschten – beiindruckend Atmosphaere, aber es war nciht ganz einfach Fotos zu machen. Danach ging es durch weites, einsames Weideland und über den 3650 m hohen Qing-Sha-Pass bis nach Xining (2260 m), der Hauptstadt Qinghais.

VisitChina.de Tagebucheintrag Tibetreise 1: Xiahe

Wir fahren bei blauem Himmel und Sonnenschein nach Xiahe (2900 m), einem kleinen, von Hui, Han Chinesen und Tibetern bewohnten Ort, der uns als Ausgangspunkt für den Besuch des Klosters Labrang dient. Zusammen mit den Klöstern Drepung, Ganden, Sera und Tashilunpo in Zentraltibet sowie Kumbum in der heutigen Provinz Qinghai gehört Labrang zu den großen tibetischen Ge-lugpa- Klöstern (gelug bedeutet tugendreich). 1708 gegründet, wuchs Labrang (der Name bedeutet „Haus des Lama“) bald zu einer Klosterstadt heran: Ihre zahlreichen ein- und mehrstöckigen Gebäude mit weißen und roten Mauern füllen das weite Tal zu Füßen kahler, hoher Bergketten. Auffallend ist das goldgelb leuchtende, geschwungene Dach der großen Gebets- und Versammlungshalle, in der jeden Morgen der Chor der Mönche ertönt. In 6 Fakultäten kann u.a. Medizin, Astonomie, Esoterik studiert werden. Schüler, die kultische Tänze erlernen, proben manchmal im Freien – für Besucher sicher ein Erlebnis! Auch heute pilgern Nomaden aus den Weiten Amdos zu den Heiligtümern der Klosterstadt, opfern Gerste und Butter, bringen Khadaks (weiße Seidenschals) dar und umwandeln, tief in Gebete versunken, Gebetszylinder drehend, im Uhrzeigersinn die heiligen Stätten.

VisitChina.de Tagebucheintrag Tibetreise 1: Bingling Si

Nach dem Frühstück unternehmen wir einen Ausflug zu den berühmten Höhlen von Bingling Si. Sie liegen etwa 80 km von Lanzhou entfernt und bilden heute die Hauptattraktion der Stadt. Mit dem Boot erreichen wir die Grotten des 1000-Buddha-Tempels am Oberlauf des Huang He (Der Gelbe Fluss). Hier wurden aus den steilen Wänden der Jishi-Schlucht 183 Höhlen und Nischen herausgemeißelt, die im Inneren zahlreiche Skulpturen bergen. Die ältesten Kunstwerke entstanden Ende des 4.Jhts, aber durch die Ablagerungen des Flusses, liegen einige Hoehlen inzwischen unter dem Schlamm. Huebsch sind auch die Felsformationen bevor man mit dem Boot bei den Grotten anlegt. Ueberaschenderweise treffe ich hier meine Wohnungsnachbarin aus Shanghai, die hier mit einer Freundin unterwegs ist ! So klein ist die Welt… Kann uebrigens sehr die beruehmt Lanzhou-Rindfleisch-Nudelsuppe empfehlen, die es hier zum Abendessen gab. Armin aus Berlin erzaehlt, er hat hier mal in einer Kueche ein komplettes Kalb im grossen Suppentopf liegen gesehen – nur die Beine sahen noch oben raus…