VisitChina.de Tagebucheintrag # 211 ( von 479 )

Wie glücklich wir uns in Europa schätzen können von Umweltkatastrophen weitgehend verschont zu bleiben, wird einem bewusst wenn man hier in China lebt. Seit gestern Nachmittag sitzen wir hier in der Provinz Guangdong und warten auf den zweiten Taifun innerhalb zwei Tagen ( Imbudo )… alle Betriebe und Schulen wurden geschlossen und auch wenn wir hier relativ sicher in unserem Produktionswerk sitzen mache ich mir doch Gedanken, was mit all den klapprigen Hütten passieren wird, deren Blechdächer sich schon jetzt im Wind bewegen. Anderseits begegnen die Chinesen der reichen Auswahl an Überschwemmungen, Stürmen und Erdrutschen Ihres Landes mit einer unglaublichen Ergebenheit und Unbeirrbarkeit beim Wiederaufbau.

VisitChina.de Tagebucheintrag # 210 ( von 479 )

Da ertappe ich mich, Mitten in der Chinesischen Provinz zu sitzen und ein San Pellegrino Mineralwasser zu genießen … mag’ einer sagen, er würde verstehen wenn ich einen guten Italienischen Rotwein einfliegen lassen würde – aber profanes Wasser ? Nunja, den Wein verachte ich natürlich nicht, aber ist man erst mal eine Zeit lang hier im Land der kohlensäurefreien, abgestandenen Lotusblumenteichwässerchen, kann ich Euch nur sagen, ist der Genuss durchaus gleichwertig.

VisitChina.de Tagebucheintrag # 208 ( von 479 )

Trotz Temperaturen von um die 35 °C wollte ich das Wochenende nicht dumm rumsitzen und hab’ mir 4 Stunden Busfahrt angetan um einen Ausflug nach Ningbo zu machen. War hier zwar schon öfters für die Firma unterwegs, aber es ist schon was ganz anderes wenn man sich mal richtig Zeit nehmen kann tagsüber, nicht gehetzt durch die Strassen zu laufen. So richtig genießen konnte ich insbesondere die hübschen Parks und den Mondsee dann aber erst nachdem am Abend ein bisschen Abkühlung kam. War wirklich überrascht wie modern Ningbo ist und bei vielen neu gestalteten Einkaufszentren und Plätzen Shanghai um nichts nachsteht, teilweise sogar moderner wirkt – naja, den Glauben dass kitschige Beleuchtung fortschrittlich ist findet man hier leider auch… Ningbo war übrigens schon im 16.Jahrhundert für die Portugiesen ein wichtiger Handelshafen, als Shanghai noch ein kleines Fischerdorf war.

VisitChina.de Tagebucheintrag # 207 ( von 479 )

Abendliche Abkühlung auf 25°C – wie angenehm – kein Scherz, da tut ein Spaziergang durch die Strassen richtig gut. Derzeit sind übrigens wieder Verkehrserziehungswochen, mit Polizisten an jeder Kreuzung – aber keine merkliche Verbesserung im Chaos, außer dass die mitten auf der Kreuzung zur Rüge aufgehaltenen Taxis den Verkehr noch mehr behindern. Auch andere Säuberungsaktionen laufen derzeit mit mehr oder weniger großem Erfolg. So war vor zwei Wochen plötzlich eine sonst von DVD-Händlern, Fleischspieß- und Ramschverkäufer total überfüllte Nebenstrasse der Nanjing Lu plötzlich wie leergefegt … nur ein paar Polizisten sicherten die regulären Geschäfte in der Gasse. Naja, im laufe der Zeit kamen sie wieder alle zurück und heute gab’s wieder das gewohnte Bild und fast kein durchkommen…

VisitChina.de Tagebucheintrag # 206 ( von 479 )

Am Wochenende habe ich mal eine einstündige Bootsfahrt auf dem Hangpu River ausprobiert… macht echt Lust auf mehr, auch wenn ich mir das nächste Mal klareres und kühleres Wetter aussuche. Träume ja derzeit etwas davon mal den Jangtse von Shanghai aus Richtung Tibet hochzufahren, aber im Moment gibt’s starke Überschwemmungen, schlechtes Wetter und so was ist natürlich auch nicht innerhalb zwei,drei Tagen zu bewältigen.

VisitChina.de Tagebucheintrag # 205 ( von 479 )

..kurz vor Mitternacht in Zhanjiang, beim Blick aus dem Fenster sehe ich noch viele Chinesen durch die Strassen zwischen den Industriebauten schlendern, eine Holz-Blechhütte dient als Treffpunkt. Ein Billardtisch auf dem sandigen Boden gestellt, grelle Neobeleuchtung dort, sonst schwachgelbes Glühbirnenlicht. Auf der Baustelle schräg gegenüber tragen Männer mit nackten Oberkörper Zementsäcke ins Gebäude. Es ist besser Nachts zu arbeiten, doch die schwüle zieht durch jede Ritze in mein klimatisiertes Appartement. Wenn ich in den kleinen, heruntergekommenen Mietskasernen leben müsste, würde ich abends auch lange durch die Strassen ziehen. Wenn ich jetzt das Licht hier im Raum anschalten, wären alle Augen draußen auf mich gerichtet – besser als jedes Fernsehprogramm! So sitze ich lieber im Dunkeln, trinke mein Bier, schaue nach draußen, auch ich habe keinen Fernseher…

VisitChina.de Tagebucheintrag # 204 ( von 479 )

Das habe ich nun auch schon lange nicht mehr gehabt: Fahrradfahrer die mir verrenkten Hälsen fast in den Graben fahren, Kinder denen vor Erstaunen die Schüssel Reis Hand fällt und das nur, weil eine großen blonde Langnase einen abendlichen Spaziergang durch Strassen Zhanjiangs macht. Hier erinnert nur wenig an das moderne Shanghai-China sondern kann durch seine räumliche Nähe die Verwandtschaft zu Vietnam nicht leugnen – zumindest mich erinnern die Strohhüte und Vegetation an Indochina. Leider auch die Armut und die sonnenverbrannten Menschen, die durch harte Feldarbeit Ihre Familie ernähren – ja, vielleicht verstehe ich nun ansatzweise, warum es in Shanghai so schick ist, eine blasse Haut zu haben.