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Ausrüstung Borneo

Vor jeder größeren Reise steht man wieder vor der Frage: Was nehme ich mit? Es gibt hier die Minimallisten, die es schaffen nur das Aller-nötigste mitzunehmen . Gleich vorweg – zu diesen gehöre ich nicht! Das liegt zum einen daran, dass ich meist eine sehr umfangreiche Fotoausrüstung mitschleppe, und zum anderen hat das mit der Erfahrung zu tun, dass auch mal etwas kaputt gehen kann und man den lokalen Produkten nicht immer das notwendige Vertrauen entgegen bringt (speziell bei Medizin) . Klar, wenn ich übers Wochenende nach Hongkong fliege habe ich gerade mal einen kleinen Rucksack als Handgepäck dabei, denn alles andere kann man im Notfall vor Ort kaufen. Bei einer Reise, wie die nach Borneo hingegen sollte man gut planen, denn die Einkaufsmöglichkeiten und speziell medizinische Versorgung sind im Regenwald sehr begrenzt…

Deshalb nachfolgend eine kleine Übersicht über die wichtigsten Dinge, welche auf der Borneo-Reise im Gepäck waren:

Fotoausrüstung:

  • Fototasche Lowepro Pro Trekker 400 AW
  • Nikon D200 (3 Akkus plus Ladegerät)
  • Nikon 10.5/2.8
  • Nikon 12-24/4
  • Nikon 24-70/2.8
  • Nikon 70-200/2.8 VRII
  • Nikon Blitz SB-600
  • Polfilter, Graufilter ND3.0 1000x, Grauverlaufsfilter
  • Stativ Carbon Monfrotto 732CY mit Kugelkopf Joby
  • Canon Ixus 870IS mit 2 Akkus
  • 10x8GB Flash Cards

Sonstige Ausruestung:

  • Wasserdichte Reisetasche mit Schloss
  • Mückenspray
  • Taschenlampe und Stirnlampe
  • Sonnenschutz
  • Kappe oder Hut
  • Regenponcho
  • Kleiner Regenschirm (Regenjacke nicht sonderlich hilfreich, weil zu warm und das Regenwasser läuft zwischen Rücken und Rucksack)
  • Leichte Wanderschuhe (Goretex, am besten mit rausnehmbaren Sohlen)
  • Badelatschen oder besser noch Crocs
  • Desinfizierendes Waschmittel (Detol)
  • Blutegel-Gamaschen
  • Handtuch groß
  • Kleines Handtuch oder Schweißtuch
  • Notfallapotheke(Breitbandantibiotikum, Malariamittel, Imodium, Vitamin-/Mineraltabletten, Hautpilzmittel, Wasserdesinfektion, Pflaster, Desinfektionsspray…)
  • Sonnenbrille, Ersatzbrille
  • Handy incl Ladegerät
  • Netzadapter
  • Taschenmesser
  • Kurze Hosen, wobei im Regenwald kritisch nicht nur wegen Blutegel
  • Zwei lange, leichte Trekkinghose, am Besten unten mit Gummizug damit die Tierchen nicht das Hosenbein hochkrabbeln
  • Ausreichend Tshirts, Socken und Unterwäsche (schnell trocknend!)
  • Moskitonetz und leichter Schlafsack (Mulu Camp5!)
  • Bürste zum Reinigen der Schuhe

Qualität

Hab mir ja noch vor der Borneo-Reise einen wirklich guten und auch teuren neuen Fotorucksack von Lowepro geleistet (Pro Trekker AW 400). War auch sehr zufrieden damit, doch leider haben die Schultertragegurte meiner Meinung nach einen Konstruktionsfehler. Schon nach ein paar Tagen zeigte sich an einer Stelle eine deutliche Überlastung des Material, so dass ich gezwungen war die Stelle vorsorglich zu nähen, damit mir der Gurt nicht irgendwo Mitten um Urwald reißt (womöglich bei der Flucht vor den Headhuntern!). Das hat dann auch gut den ganzen Urlaub über gehalten. Heute morgen bin ich dann, nachdem ich den Rucksack gereinigt und einigermaßen desinfiziert habe ( na ja, war immer noch deutlich der Schweißgeruch der letzten 3 Wochen in den Schaumstoffpolstern zu riechen…) zum Fotogeschäft meines Vertrauens gegangen und habe das Thema reklamiert. Und siehe da: Es zahlt sich aus ein bisschen mehr auszugeben und im Fachgeschäft einzukaufen, denn der Verkäufer verschwand nach meiner Schilderung erstmals ein paar Minuten im Büro und überreichte mir dann ohne Diskussion ein nagelneuen Rucksack! Das freut mich natürlich, denn nach 3 Wochen Extremeinsatz wieder einen sauberen, geruchsfreien Rucksack zu erhalten ist eine feine Sache  … und die Belegschaft des Fotogeschäfts hat sich sicherlich gewundert, wo heute Nachmittag plötzlich dieser seltsame Geruch herkam ;-) Jetzt hoffe ich nur, dass auch der Rest der Ausrüstung die Reise gut überstanden hat, denn irgendwelche Pilzablagerungen in den Objektiven zeigen sich ja immer erst ein paar Wochen später.

Borneo 6, Danum Valley

Gleich Vorab: die Tage Mitten im Regenwald des Danum Valley haben sich gelohnt! Ein besonderes Erlebnis Orang Utahs und andere Tiere in freier Wildbahn zu erleben. War ein guter Abschluss, den wie man dem letzten Eintrag entnehmen kann, hat mir weder Brunei, noch Sandakan richtig gefallen. Wir sind ja auch nach Borneo gekommen um den Dschungel zu sehen und Südostasiatischen Städte haben selten was reizvolles (auf dieser Reise mal von Kuching abgesehen)

Die Fahrt von Sandakam nach Lahad Datu hat uns aber wiedermal vor Augen gefuehrt, wie umfassend der Regenwald hier gerodet und durch Palmölplantagen ersetzt wird. Die Danum Valley Forschungsstation haben wir im Vorfeld mehrmals als Aushängeschild wahrgenommen, da sie einen positiven Beitrag zur Erforschung des Regenwaldes leistet. Anderseits drängt sich schnell der Verdacht auf, dass die staatliche Förderung dieser Station bewusst vom Rest der Abholzung ablenkt und eher ein Tropfen auf den heißen Stein ist. So sieht man auf der 2 stündigen Fahrt dorthin oftmals Schilder am Rande der Piste stehen, welche auf die Nachhaltigkeit des lokalen Forstbetriebes hinweisen. Interessanterweise kamen uns aber alle paar Minuten große Lastwägen entgegen, welche gewaltige Baumstämme aus dem Regenwald fuhren…
Wir sind am späten Nachmittag an der Station angekommen und haben nach Bezug des Zimmers gleich einen Spaziergang unternommen. Auf einem kleinen Aussichtsturm wurden wir dann schnell belohnt, als mehrere Hornbills vorbei flogen! Ich konnte zwar Fotos machen, aber durch die große Entfernung lässt sich das Motiv nur erahnen. Egal, wir haben ihn gesehen!
Später Abends, mitten im Dschungel auf der Veranda zu sitzen und den Stimmen des Waldes zu lauschen hat etwas unvergleichliches. Da wäre man dann auch gerne Forscher … na ja, aber nur mit etwas Luxus, denn die schwüle Luft, die Mücken und sonstige Krabbeltierchen im Schlafgemach nerven nach einiger Zeit tierisch. Ferner gibt es natuerlich nur kalte Duschen und soeben noch herrlich erfrischt den Schweiss des Tages entfernt verstreichen keine zehn Minuten und es ist wieder Zeit ölige Antimückenmittel auf die Haut aufzutragen.
Am Freitag den 25.Juni sind wir morgens mit einem Ranger durch den Regenwald gelaufen. Richtig viele Affen habe wir aber erst gesehen, als wir später nochmals alleine los gezogen sind. Am interessantesten war es einen Orang Utah in Augenhöhe beim Fressen zu beobachten, indem wir auf eine Plattform per Leitern hoch geklettert sind, die sich in 40m Höhe auf einem Baum befand ( nix für Leute mit Höhenangst … und eigentlich auch nichts für jemanden mit einem großen, schweren Fotorucksack, aber vorne auf die Brust geschnallt und langsam nach oben hangeln) Zu sehen waren auch einige Red Leaf Monkeys, aber hier kommt meine Fotoausrüstung an ihre Grenzen. Da wäre mindestens ein 400mm/2.8 notwendig, aber abgesehen vom Preis wäre jedes zusätzlich Gewicht aus oben genannten Gründen nicht akzeptabel.
Nach den ueblichen Nachmittagswolkenbruch haben wir uns 2 Stunden auf den Aussichtsturm von gestern gesetzt und nochmals fliegende Hornbills und einen Red Giant Flying Squirrel gesehen.
Beim anschließenden nächtlichen Ausflug in den Regenwald war die erste Entdeckung, als ich mit der Taschenlampe irgendwas ‘komisches’ ca. 1,5m ueber meinem Kopf in den Ästen hängen sah. Ein Foto mit Teleobjektiv und Blitz zeigte dann ein Bild, das mich erst mal paar Schritte beiseite treten ließ: eine ekelige Kreuzung zwischen Centipede und Spinne, mit vielen, bis zu 10cm langen Beinen! Laut Ranger auch hübsch giftig. Ferner haben wir noch Skorpione, eine Eule und eine Art Reh (Banteng?) gesehen.
Am 26.Juni sind wir den Trail zu einem alten Bestattungsort gewandert, an dem ein paar leere Särge unter einem Felsen zu sehen sind (angeblich bis zu 800Jahre alt). Hatte Glück und konnten auf dem Weg dorthin einen seltenen Great Argus fotografieren. (vom Aussehen eine Art Pfau). Die Hornbill sind hingegen über uns hinweg geflogen ohne eine Chance auf ein Foto. Die fuer Nachmittag geplante Wanderung ist dann aufgrund starken Regens ausgefallen, so dass wir den letzten Tag im Regenwald auf der Terrasse ausklingen ließen.
Am nächsten Morgen sind wir schon um 6Uhr raus um nochmals die Chance zu nutzen den Hornbill zu sehen, aber bis auf ein paar nette Fotos des morgendlichen Nebels konnten wir leider wenig entdecken (gab’s anscheinend keine Starterlaubnis wegen Nebel oder schlafen die am Sonntag auch aus?)

Jetzt (27.Juni) sitzen wir gerade in einer Bäckerei mit WiFi in der Nähe des Flughafens von Lahat Datu und warten auf unseren Flug nach Kota Kinabalu.

Borneo 5, Sabah

21.Juni, Flug von Brunei ueber Kota Kinabalu nach Sandakan.

Am 22.juni war unser Affen-Tag. Sind zuerst per Taxi zum Sepilok Orang Utah Rehabilitation Center und dann weiter zur Labuk Bay Proboscis Monkey Sanctuary gefahren. Beides im Eintritt relativ teuer und die offizielle Fuetterungen im Sepilok eher enttaeuschend. Wenn man hingegen selbst etwas im Wald rumlaeuft, springen einem oft Affen ueber den Weg und auch das sonstige Wildlife ist interessant. Die zahlreichen Proboscis im anderen, privaten Park waren sehr aktiv, haben brav ihre grossen Nasen zur Schau gestellt und man hatte die Chance auch relativ nah mit der Kamera ranzukommen – was will man mehr!
Hatten abends an einem hygienisch eher bedenklichen Essensstand am Hafen ein reichhaltiges lokales Abendessen. Die anschliessende Erkundung des Nachtlebens war trotz Geheimtipp Batu 4 Bar-Strasse eher ein Reinfall … da muss man schon auf Karaoke stehen, aber zumindest gab es nach dem alkoholfreien Brunei mal wieder Bier.

Den Mittwoch haben wir der Erkundung der Historischen Vergangenheit Sandakans gewidment … und warem schon um 10 Uhr fertig. Somit wurde daraus ein sehr relaxter Tag. Die urspruengliche Planung Turtle Island zu besuchen mussten wir Mangels Zeit aufgeben (dauert 2 Tage) und andere Tagestouren waren uns fuer die gebotene Leistung zu teuer. Wir waren auf unserer Reise wirklich nicht knausrig, aber es faellt auf, wie unverhaeltnismaessig manches hier ist, wenn es irgenwie mit Tourismus zu tun hat. Da zahlt man fuer ein Abendessen nur zwischen 1 bis 5 Eur, 4 Stunde Ueberlandbusfahrt kostet nur 5 Eur, aber das Taxi und Touren sind trotz der niedrigen Benzinpreise teuer. So mussten wir alleine fuer den Transport ins Danum Valley ab Lahad Datu umgerechnet 170€ zahlen – ebenfalls 4 Stunden Fahrt, verglichen mit den 5€ der genausolangen, guenstigen Fahrt im Bus.
Bisher hat Sarawak auf alle Faelle einen besseren, urspruenglicheren Eindruck hinterlassen als Sabah. Denke der bevorstehende Besuch im Danum Valley.

Donnerstags (24.Juni) frueh moegens sind wir mit dem Bus fast 4 Stunden nach Lahad Datu gefahren. Trinken gerade noch einen Kaffee bevor wir jenen besagten teuren Jeep zur Danum Valley Forschungsstation besteigen. Werden dort 3 Naechte verbringen bevor wir am Sonntag ueber Lahad Datu nach Kota Kinabalu fliegen.

Borneo 4, Brunei

Der erste Eindruck von Brunei war unerwartet provinziell. Obwohl wir gerade erst aus dem Regenwald kamen, gab uns die Stadt nicht das Gefuehl im Zentrum eines reichen Kleinstaates zu sein. Hatte die Vorstellung irgendwas Vergleichbares mit Singapur zu sehen. Aber gerade die auf Stelzen ins Wasser gebauten, aermlichen Huetten der Kampongs, im Kontrast zu den protzigen Moscheen und Einkaufszentren haben einen gewissen Reiz. So hat wahrscheinlich Singapore vor vielen Jahren ausgesehen. Ob Brunei hier aufholen wird ist fraglich, denn auffaellig war das Jammern der Restaurantbesitzer und Taxifahrer, dass es seit einiger Zeit mit der Wirtschaft massiv bergab geht. Ach ja, das Thema Taxis … da gibt es naehmlich so gut wie keine mehr nachdem die meissten Auslaendischen Firmen ihre Leute abgezogen haben und somit offensichtlich kein Geschaeft mehr zu machen war. Unsere Hotel war gut, wenn auch fast leer, aber sehr geeignet um die hinfaellige Koerperpflege und Dekontaminierung der Kleidung und Ausruestung zu betreiben.
Der Sonntag in Brunei hat fuer uns mit einem Spaziergang durch die Kampongs und Besuch der Moschee begonnen. Die Kampongs sind wirklich interessant und auf ihre Art sehr fotogen – speziell wenn zwischen den armselig schiefen Huetten immer wieder die goldenen Kuppeln und Minarette einer Moschee im Hintergrund zu sehen sind.
Die Fahrt mit dem Linienbus zum Empire Hotel hat sich hingegend weniger gelohnt, denn ich war von diesem 7-Sterne Hotel enttaeuscht. Die Haupthalle war zwar protzig, aber insgesamt hatte der Komplex wenig Stil und erscheint architektonisch einfallslos.
Uebrigens kostet das Benzin hier nur umgerechnet 0.28 € pro Liter! Alkohol ist im ganzen Land verboten.
Vor unserem Weiterflug nach Nord-Sabah sind wir am Montag den 21.Juni Vormittags noch zur groessten Moschee Bruneis gelaufen. Beeindruckendes Gebaeude und wir durften auch das Innere besichtigen und einen der Minarette besteigen.

Borneo 3, Headhunter trail

Sind soeben (19.Juni) wieder in der Zivilisation (Brunei) angekommen und der Kopf ist noch drauf! Deshalb schnell den Zwischenbericht hochgeladen, wobei ich den Text demnaechst nochmals ueberarbeiten und ergaenzen werde:

Am 16.Juni sind wir morgens vom Park-Headquarter den Fluss zum Ausgangspunkt unsere mehrtaegigen Wanderung hochgefahren. Wurden schon gewarnt, dass wir u.U. zum Anschieben oefters aus dem Boot springen muessten, doch wir hatten Glueck, denn durch den relativ hohen Wasserstand (hab ich schon erwaehnt, dass es viel Regnet…), mussten wir nur durch eine seichte Stelle schieben. Nach 2 1/2 Stunden Marsch erreichten wir Camp 5. Wundere mich schon, warum einige Leute auf meinen Bauch starren, bis ich entdecke, dass mein Tshirt ziemluch voll Blut ist … hat sichj doch so ein verflixter Blutegel festgesaugt! Gibt danach immer eine riesen Schweinerei, weil das Blut ewig nicht gerinnen will und nur ein Pflaster hilft. Verschwitzt beziehen wir das 12 Mann Zimmer und zum Glueck gibts noch keine Aufzeichnungsgeraet um die ‘Duefte’ dort einzufangen. Alles fuehlt sich feucht und schmierig an … selbst im Fotoruecksack. Das wird auch nicht besser, als abends heftiger Regenschauer einsetzt ( von den kurzen Schauern unter Tags spreche ich ja gar nicht mehr…)
Donnerstag, 17.Juni, Pinnacle day!
Sind morgen schon um 6.30 Richtung Pinnacles losgestartet. Wurden schon vorher gewarnt, dass es ein extrem steiler Aufstiegt ist – schwieriger als der Kinabalu. Was soll ich sage: wir haben es ohne groesserre Blessuren in hervoragender Zeit geschafft auch wenn ich wiedermal 3-4Liter rausgeschwitzt. Paar Fakten: insgesamt 7,5 Stunden, wobei der Aufstieg genausolang gedauert hat wie der Abstiegt. Technisch wirklich nicht einfach mit Seilen, Leitern ueber die scharfkantige glitschige Felsen. Wegstrecke war 2400m in der 1100Hoehenmeter zurueckzulegen war … und das bei knapp 30C und 100% Luftfeuchtigkeit. Hat wirklich Spass gemacht und die Aussicht auf die Pinnacles hat sich eindeutig gelohnt.
Kroenender Abschluss war dann abschliessend das Bad im kalten Fluss. Hab auch versucht meine Kleidung darin ein bischen zu Waschen, den der Gestank der verschwitzten Sachen ist inzwischen extrem. So werden sie uns gar nicht in Brunei einreisen lassen.
Am 18.juni sind wir dann mit den zwei Traegern und ein Duzent Blutegel, die unterwegs mitwollten den Headhuntertrail gelaufen und anschliessend 2 Stunden mit einem gecharterten kleinen Boot (eher vom Typ Einbaum…) den Fluss runtergefahren. Der obere Teil des Flusses war relativ wild wodurch oft mal Wasser in das eh schon tiefliegende Boot schwapte. Hatte ehrlichgesagt etwas Sorge um meinen Fotorucksack – ich zumindest war am Ende durch Gisch und Regen ziemlich Nass, aber die Fahrt durch den Dschungel war wunderschoen und entsprach jedem Klischee das man davon hat. Am fruehen Nachmittag haben wir dann an einem Dorf am Fluss angelegt und ein Zimmer in dem oertlichen, sehr rustikalen Longhouse bezogen. Dort wurden wir freundlich empfangen und gut bekocht ( gluecklicherweise nicht gekocht … denn wir sind am Ende des Headhuntertrails).
Eine weiteres Highlight erwartete uns am naechsten Morgen, als wir wieder mit dem Boot eine Stunde auf dem Fluss durch dem teils nebelverhangenen Regenwald gefahren sind. Die weitere Reise per Van und Bus nach Brunei verlief hingegen unspektakulaer. Jetzt ist es an der Zeit fuer eine ausgiebige Dusche und anschliessender Suche nach einer Reinigung…

Borneo 2, Sarawak

Was mich auf dieser Reise bisher wirklich ueberascht ist wie gut die Pfade in den Nationalparks markiert sind und wie unkompliziert das Trekking somit ablaeuft. Die ersten 4 Wanderungen ( zwischen 3 bis 9 Stunden) konnten wir ohne Fuehrer durch den Dschungel unternehmen. Auch das Personal war immer freundlich und kompetent.
Eher gewoehnungsbeduerftig ist der eigene Koerper: man schwitzt unentwegt, die Kleidung ist eigentlich staendig klatschnass – entweder vom eigenen Schweiss oder den haeufigen Regenschauern. Manchmal holt man den Regenponcho gar nicht mehr raus. Nur der Schutz der Fotoausruestung bleibt ein konstantes Thema und ich hofde auf die Qualitaet Nikons.

12.Juni: Morgens sind wir bei strahlendem Wetter und entsprechender Hitze auf die andere Seite des Sarawak Rivers gefahren und dort ein bischen durch die Kampongs gelaufen. Vor dem Flug nach Miri noch ein Abstecher ins Sarawak Museum um dort die ersten Totenkoepfe der Headhunter haengen zu sehen.
In Miri, das sich als relativ grosse, gepflegte Stadt entpupte, sind wir auf den Saberkas Weekend Markt gefahren. Das ist ein lokaler Markt mit Essens- und Krimskrams- Staenden und nach anfaenglichen Bedenken bzgl der Hygiene haben wir doch beschlossen dort Roti und Chickenwings zu essen. Waren als einzige Europaeer natuerlich Zentrum aller Blicke und da das Essen anscheinend erst Zuhause oder im Auto eingenommen wird, standen wir dann mangels Sitzgelegenheit erstmal dumm rum, um schliesslich abseits des Marktes unter einer Laterne zu essen.
Am 13.juni sind wir morgens mit dem Taxi zu den Niah Cave gefahren. Vor der Besichtigung sind wir erstmal 6 Stunden durch den Regenwald gestapft und haben den steilen Bukit Kasut bestiegen. Das war schon auf dem Hinweg eine sehr rutschige und matschige Angelegenheit, aber als es dann spaeter auch noch stark zu regnen begann, waren wir wirklich total nass und verdreckt … und es hat trotzem viel Spass gemacht! Die Hoehle selbst ist atemberaubend. Nicht nur weil der Mist der dort lebenden Schwalben und Fledermaeuse eine dicke Schicht auf dem Untergrund bildet…sondern die unglaubliche Groesse. Ich kam mir vor wie bei Jule Vernes Geschichten. Wir sind ueber zwei Stunde darin rumgelaufen. Da es inzwischen draussen wieder regnete bildeten sich im Inneren Wasserfaelle, welche durch die grossen Loecher an der Decke frei fallend in die Tiefe stuerzen. Unser Taxifahrer, der die 9 Stunden auf uns wartete, war nicht so erfreut uns verspaetet, nass und dreckig in sein neues Auto zu lassen, aber ein bisserl Extra Charge konnte dann wieder ein laecheln in sein altes Chinesengesicht zaubern.
Am 14.Juni sind wir mit einer kleinen Turboprop-Maschine Mitten in den Dschungel des Mulu Nationalparks weitergeflogen. Dort angekommen verlief die Planung der Wanderungen, insbesondere des Headhuntertrails zusammen mit dem Personal des Parks erfreulich unkompliziert. Auch das Thema, wie wir unser Hauptgepaeck nach Brunei transportieren koennten wurde geloest: Zwei Traeger laufen mit uns fuer umgerechnet 50EUR 3 Tage bis nach Limbang.
Am Nachmittag haben wir dann die Weltgroesste Hoehle (Deer Cave, Sarawak chamber Hoehe 100m, 600m lang, 415m breit !!!) besucht. Auch die Insektenwelt auf dem Weg war interessant: leaf- und Stickinsects, lanternbugs… Fotos folgen.
Am 15.juni mussten wir erstmal aus dem Longhouse raus um spaeter in ein Domitory des Hostels umziehen. Danach sind wir mit einem Longboat zu zwei weiteren Hoehlen gefahren (Cave of the winds und Clearwater cave). Bevor wir Nachmittags bei stroemenden Regen auf Haengebruecken durch die Baumwipfel geklettert sind, galt es noch den Vorrat fuer die naechsten 3 Tage einzukaufen…hauptsaechlich Nudelsuppen, Kekse und Wasser.

Borneo 1

Sing gut in Kuching angekommen und am ersten Tag, nach einem eher rudimentaeren Fruehstueck gleich per Taxi und Boot Richtung Bako Nationalpark gefahren. Die anschliessenden 5 Stunden Wanderung auf den teils ziemlich steilen Dschungelpfaden waren sehr schweisstreibend und ich habe dabei meinen ca 15kg schweren Rucksack samt Fotoausruestung das erstemal etwas verflucht. Belohnt wurden wir durch den unglaublichen Reichtum der Pflanzenwelt und das Gefuehl jetzt richtig in einem Tropischen Regenwald zu sein! Da merkt man schon nochmal den Unterschied zu Waeldern, die ich bisher gesehen habe, denn der Bewuchs ist um einiges dichter. Wahrscheinlich sind wir durch die Begeisterung zu schnell gelaufen, denn wir haben kaum Tiere gesehen und ich habe mir auch nicht Zeit genommen zu viel zu fotografieren. Hab’ insgesamt 6 Liter rausgeschwitzt – zumindest war das die Fluessigkeitsmenge, welche ich aufnehmen musste bis ich mich wieder ausgeglichen fuehlte. Nachdem wir den ganzen Tag auch nichts gegessen hatten, haben wir am fruehen Abend wie hungrige Tiger fein im ‘bla bla bla’ Restaurant gespeist und anschliessen ein paar Bierchen genossen (wegen des Fluessigkeitshaushaltes und so…).
Am naechsten Tag (10.Juni) sind wir  in den Gunung Gading Park gefahren um die groesste Blume der Welt, die Rafflesia zu sehen. Hatte wirklich Glueck, dass gerade eine bluehte (55cm Durchmesser). Spaeter sind wir ohne Fuehrer weiter zu zwei Wasserfaellen gewandert und haben auf dem Weg u.a. eine ca 1,3m lange Giftschlange gesehen – zum Glueck habe ich sie gerade noch vor mir auf dem Weg entdeckt,bevor ich fast draufgestiegen waere…
Bei Rueckkehr nach Kuching zuerst starker Regen, aber da geniesst man wirklich die Abkuehlung.
Heute Morgen (11.Juni) sind wir zum Kubah Nationalpark gefahren und dort 4 Stunden durch den Wald gewandert. Erster Kontakt mit der oertlichen Blutspende-Truppe … konnten die Blutegel aber abschuetteln bevor das Abpumpen begann. Auch sonst war einiges an Kriechtieren unterwegs. Belohnt wurden wir wiedermal mit einem schoenen Wasserfall und dem grandioser Ausblick auf dem Rueckweg. Bin wirklich sehr positiv darueber Ueberascht, wie gut die Nationalparks hier um Kuching ausgeschildert sind und dass man somit kaum einen Fuehrer benoetigt.

Ich bin dann mal wieder weg…

Heute Abend landet Pascal mit der Maschine aus München und morgen Mittag fliegen wir weiter nach Sarawak. Wird sicher eine interessante und abenteuerliche Reise. Ein Höhepunkt wird sicher die mehrtägige Wanderung auf dem Headhunters’ Trail und dem Gunung National Park. Später geht es weiter über Brunei nach Sabah, wo die Regenwälder mit 100 Millionen Jahren älter als der Amazonas sind, wobei große Teile erst in den letzten Jahren der Abholzung zum Opfer gefallen sind. Ferner werden wir das Sepilok Orang-Utan Rehablitations Center und die Forschungsstation im Danum Valley besuchen.