Nach mühsamen Stunden habe ich es geschafft die Tagebucheinträge meiner zwei Tibet-Reisen (Sept 2003 und Mai 2005) hier abzuspeichern. Dir Fotos sind noch nicht verknüpft und die Rechtschreibprüfung muss nochmals drüberlaufen und irgendwie hat das mit dem Umlauten beim Import nicht optimal geklappt…
Ich gebe offen zu, dass ich Hongkong sehr vermisse und das folgende Video, welches ich durch Zufall im Netz entdeckt habe fängt die Stadt wirklich sehr schön ein.
Das Jahr des Drachen hat begonnen ! Habe mir Silvester extra ein paar Kracher beiseite gelegt um auch das Chineische Neujahr entsprechend zu feiern … nur leider habe ich mich dann doch nicht getraut, diese an einem ‘heiligen’ Sonntagnachmittag auf meinem Deutschen Balkon zu zünden. Dafür nutze ich die Wochenenden weiterhin um fleissig alte Negative zu scannen und bin wirklich begeistert, welche Schätze sich da finden! Zu Zeiten des SW-Films ging man noch sparsam mit dem Material um und hat sich mehr auf das Motiv konzentriert, bevor der Auslöser gedrückt wurde. Heute mache ich auf Reisen innerhalb von zwei Woche mehr digitale Fotos, als von mir in 5 Jahren in China insgesamt auf analogen Film belichtet wurden … und die Ausbeute an guten Fotos ist daher erschreckend schlecht. Im Zusammenhang mit dem Niedergang der Firma Kodak hat neulich Jim Rakete gesagt: ‘Fotografie war die Fertigkeit, auf einem Film von 36 Aufnahmen eine Geschichte zu erzählen.’ Wie wahr …
Es ist vollbracht! Nach mühsamer Arbeit ( 2Tage meines Urlaubs) habe ich die 479 Seiten meines China-Tagebuches hier auf diese Seiten kopiert. Leider fehlen bisher noch die Fotos, aber das wird nochmals etwas komplizierter, denn die Seiten sind damals von mir von Hand in HTML programmiert worden.
Unter der Kategorie “China Tagebuch” findet Ihr hier also ab sofort meine Erlebnisse aus über 4 Jahren China (Januar 2002 bis Mai 2006).
Da bin ich jetzt gehörig erschrocken, als ich auf das Datum des letzten Eintrages geschaut habe! Zu meiner Verteidigung muss ich sagen, dass es ein sehr intensives Jahr war. Nach all den Jahren in der Ferne muss man sich erstmal mit den vielen Dingen eindecken, welche man am Äquator nicht benötigt hat ( Winter-, Frühlings- und Herbstkleidung) und auch sonst erstmal wieder seinen Deutschen Haushalt organisieren. Auf einmal treten da wieder Aufgaben wie Hemden bügeln, Abendessen kochen und Müll trennen bzw entsorgen auf den Tagesplan, mit welchen ich in Asien nicht konfrontiert war. Anderseits war ich es aus Asien so gewohnt in der freien Zeit so viel wie möglich Neues zu entdecken, dass ich auch zurück in Deutschland immer den Drang verspürt habe in meiner freien Zeit möglichst viel zu erleben und die Wochenenden mit Ausflügen zu füllen.
Angeregt durch einen Vortrag, den ich neulich über die ” Zusammenarbeit mit Asiatischen Firmen” gehalten habe, werde ich mich wieder mehr diesen Seiten widmen und Interessantes zum Thema Asien sammeln.
In letzter Zeit wird mir mehr und mehr bewusst, wie sehr ich die Asiatische Küche nach 3 Monaten in Deutschland vermisse – weit mehr als mir in den 9 Jahren in Asien das Deutsche Essen gefehlt hat. So wunderbar alltägliche Gerichte wie Laksa, Pho Bo, Green Curry, Ginger Chicken, Xiao Long Bao, Satay … eine endlose Liste, die an jeder Strassenecke für wenig Geld zu haben waren. Bisherige Versuche eingermassen authentische Asiatische Restaurants zu finden waren nicht erfolgreich und auch die Asienshops enttäuschen durch ihr Sortiment, das natürlich insbesondere frische Produkte vermissen lässt. Leider sind die Chinesischen Restaurants an dem Deutschen Geschmack angepasst worden und es mangelt eindeutig an der Sorgfalt in der Zubereitung … in China würde sich der Koch solche Lieblosigkeit schon aus Gründen der Ehre nicht trauen bzw sich fürchten, von der erbosten Kundschaft verprügelt zu werden. Nun, meiner Beobachtung nach sind lokale ‘China’-Restaurants’ mit Mittagsmenü oft ein Sammelsurium Asiatischer, aber eben nicht typisch Chinesischer Gerichte und meist in Vietnamesischer Hand. So stehen auch in den Asienshops allerhand Bambus- und Sojasprossendosen in den Regalen, die ich in Asien nur selten in Gerichten finde und mit denen hierzulande die Speisen offensichtlich ‘gestreckt’ werden. Anderseits fehlen essentielle Zutaten und Gewürze wie z.B. für Thailändische Gerichte Tamarind Paste und Kaffir Blätter. Ach ja, auch die vielen frischen Meerestiere, Gemüsesorten, Chicken Feed … aeh, nein, letztere bitte nicht! Ferner will sich mein Gaumen nicht mehr an das viele Salz in der Deutschen Küche gewöhnen und empfindet Vieles durch die mangelnde Schärfe einfach als fade. Ich habe dennoch den begründeten Verdacht, dass es nicht die Gerichte alleine sind, sondern es fehlt die Atmosphäre, die Menschen, die Gerüche, der Lärm und natürlich die klimatischen Bedingungen. Ich gebe aber nicht auf und werde weiter suchen und von Erfolge hier berichten.
Es ist schon interessant: Man hat hier in Deutschland offensichtlich die Vorstellung, dass Asien voller schrecklicher Krankheiten ist, mit denen man sich schon beim Aussteigen des Flugzeugs infiziert. Mein persönlicher Eindruck nach 2 Monaten in Deutschland ist genau gegenteilig, denn hier läuft im Moment fast jeder mit einer mehr oder minder starken Erkältung rum und Kollegen fallen teilweise 2 Wochen wegen schwere Grippe aus. In all den Jahren in Asien kann mich nur daran erinnern maximal 4 mal mit Fieber im Bett gelegen zu haben und auch das war nach 1-2 Tagen wieder vorbei. Nachdem ich mich nun über mehrere Wochen trotz extremer Klimaumstellung von den Tropen ins nasskalte Schwaben erfolgreich gegen eine Erkältung gewehrt habe, hat es mich Mitte der Woche nun richtig heftig erwischt. Vielleicht liegt es nur daran, dass man in Asien viel mehr darauf Acht gibt, was man berührt. Für Chinesen gilt zum Beispiel Geld als äusserst schmutzig und man wäscht sich nach dem Berühren möglichst die Finger. So schockiert war ich in einem Geschäft in Deutschland jemanden zu sehen, der einen 10 EUR Schein beim Einsortieren in den Geldbeutel vorher zwischen die Lippen nahm um die Hände freizuhaben… Genauso befremdlich finde ich inzwischen den unhygienischen Umgang mit mehrfach benutzten Papiertaschentüchern. Ob die Chinesische Lösung, die überschüssigen Körperflüssigkeiten direkt durch Zuhalten eines Nasenloches auf die Strasse zu blasen besser ist, erscheint mir aber immer noch fraglich.
Nun bin ich seit über 2 Monaten zurück in Deutschland und ähnlich wie damals der Kulturschock in Shanghai, ist auch in die andere Richtung sehr viel interessantes zu beobachten. So wohne ich jetzt auch wieder an einem Ort, an dem ich der Sprache nicht mächtig bin …Schwäbisch… Späßle g’macht. Leider find ich im Moment nicht die Zeit das Alles sauber zu dokumentieren, aber es macht wirklich Spass die Mitmenschen zu beobachten und mit den Verhaltensweisen in Asien zu vergleichen. Anderseits stelle ich einige Veränderungen in Deutschland fest,bei denen ich ehrlich gesagt nicht sicher bin ob es nicht eher Veränderungen an mir selbst sind. So bin ich es inzwischen gewohnt auch mal bei Preisen etwas zu verhandeln und nicht gleich aufzugeben … und… es funktioniert! Ist das neu, oder hat da die ‘Geiz ist Geil” Welle den Weg bereitet? Ich bin der Ansicht, dass man nicht überall den letzten Cent rausdrücken muss, aber es macht ja auch Spass mit Leuten einfach nett über den Wert von Dingen zu diskutieren, wenn man dennoch das Motto “Leben und Lebens lassen” respektert. Was ich bezüglich Kaufgewohnheiten nicht verstehe ist, dass sich viele Deutsche Mitmenschen inzwischen ständig über die Flut von Produkte aus Asien bzw der Produktionsverlagerung nach Fernost beschweren und sich anderseits bei Aldi und Co jede Wochen den Einkaufswagen mit diesen Waren füllen. Mir fällt auch auf, dass in den Geschäften immer mehr minderwertige Ware liegt, aber warum kaufen die Leute diese schlechte Qualiät dann? Es war für mich die letzten Wochen wirklich öfters ein Problem höherwertige Produkte zu finden. Die Dinge mögen zwar günstig sein, aber auch von unglaublich billiger Qualität und schlussendlich ihr Geld doch nicht wert! Da sind die Chinesen einen Schritt weiter (oder Jahre hinterher), denn sie sind stolz sich inzwischen gute Deutsche Qualität leisten zu können und belächeln, welcher Schrott in die hoch entwickelte westliche Welt exportiert wird. Schon eine komische, anderseits bedenkliche Entwicklung.
Auch andere Eigenarten der Deutschen werden einem klarer, wenn man ein bisschen Abstand hat. Folgende Szene konnt ich vorletzen Samstag beobachten: Nach einem netten Kneipenabend besteige ich kurz vor Mitternacht die S-Bahn am Münchner Marienplatz. An der Station steigt u.a. ein älterer Herr mit zwei Plastiktüten und einem Kasten Bier ein. Er setzt sich im Gang, mit dem Rücken zu mir auf den Bierkasten. Die S-Bahn Türen bleiben eine ganze Weile offen, bis die Durchsage des Schaffner kommt, das sie die Weiterfahrt wegen eines technischen Problems des voranfahrenden Zuges etwas verzögert. Plötzlich erklingt Musik im Abteil… die Quelle ist nicht gleich auszumachen und wie viele andere Mitreisenden vermute ich zuerst eine kleinen Scherz des Zugführers. Erst als auf einmal ein etwa Ende Zwanziger aufsteht und den älteren Herrn mit dem Radio beschimpft, wird klar, dass dieser sein kleinen Kofferradio angeschaltet hat um uns während der Wartezeit aufzuheitern. Der junge Mann schimpft und droht dem Mann mit dem Radio mit Konsequenzen, wenn er nicht sofort die Kiste ausmacht. Ein weiterer Herr mittleren Alters steht auf und sagt dem jungen Mann, dass es sich nicht gehört Leute zu beleidigen und zu drohen, auch wenn das Radio stört. Das kann man auch anders sagen. Es entsteht ein verbaler Streit der beiden, der aber eher gemässigt verläuft und dem die anderen Fahrgäste belustigt folgen. Soweit war ja alles ok und ich bewunderte die Courage des Mitreisenden …
Dann eskaliert die Situation. Der Herr mittleren Alters sagt dem jungen Mann, dass wenn er sich jetzt nicht benimmt, ruhig ist und sich hinsetzt, wird er die Polizei rufen… die Fahrgäste horchen auf. Als der junge Mann nicht reagiert, holt der Andere das Handy raus und ruft wirklich die Polizei. Als er die Situation der Zentrale erklärt, ertönen missbillingende Rufe aus dem Abteil. Inzwischen ist die S-Bahn eine Station weitergefahren, die Störung scheinbar behoben, doch nun bleiben wir wieder stehen und aus dem Lautsprecher ertönt eine Stimme welche ankündigt, dass sich die Weiterfahrt nun wegen eines Polizeieinsatzes verzögert ! 5 Minuten später treffen 6 Polizisten ein und sind sichtlich etwas genervt, wegen so einer Lapalie gerufen worden zu sein. Der Einsatzleiter macht allen Beteiligten auch klar, dass er die Sache nun auch durchziehen muss und entsprechend die Personalien aufzunehmen sind. Resultat war, dass wir ueber 40 Minuten durch diesen Einsatz festsassen und mit uns alle nachfolgenden Münchner S-Bahnen, die nach uns durch den Tunnel wollten…
Ich finde es sehr interessant, wie die zuerst lobenswerte Courage des Herren dann doch noch so entgleist ist und wie mutlos er schlussendlich doch war, gleich nach der höheren Instanz, der Polizei zu rufen. Das ist nicht verhältnismäßig. Mir sind übrigens die wirklich erschreckenden Fälle von Gewaltausbrüchen von Jugendlichen des letzten Jahres bekannt, aber der junge Mann war alleine und sah alles andere als gefährlich aus. Da muss man nicht gleich die Polizei rufen.
Diese Geschichte passt gut in das Bild anderer Beobachtungen, welche ich in den letzten Wochen machen durfte. Wenn man es mal ganz hart zusammenfassen will, dann hat man als Asiate den folgenden Eindruck: Die Deutschen eschofieren sich fürchterlich schnell über Sachen, die es nicht wert sind. Man protestiert gegen Dinge, ohne Ideen für eine bessere Lösung des Problems parat zu haben (ich spreche hier u.a. von der Diskussion über die Kernkraft). Wenn man dann nicht mehr weiterweiss, dann ruft man sofort nach der höheren Instanz oder beschuldigt andere die Situation verursacht zu haben.
In Asien hätte sich hier sehr wahrscheinlich niemand über die Musik in der S-Bahn aufgeregt und falls doch, dann nur wenn man die Sache sicher ohne Gesichtsverlust abschliessen kann. Das ist natürlich auch nicht immer gut ! Während meine Zeit in China hatte ich ja immer die Befürchtung in einen Verkehrsunfall verwickelt zu sein und niemand hilft mir, weil von den Chinesen niemand Verantwortung übernehmen will.
Wie gesagt, dass sind nur meine persönlichen Beobachtungen – eine pauschale, optimale Handlungsweise gibt es natürlich nicht. Verhältnismäßigkeit ist angesagt, wobei die Grenzen wiederum stark von der jeweiligen Kultur abhängen.
Ich wünsche allen Lesern dieser Seite ein gutes neues Jahr ! 2010 war für mich ein sehr spannendes Jahr und mit der Rückkehr nach Deutschland ging das Kapitel 9 Jahre Asien erstmal zu Ende. Ich habe mir aber vorgenommen diese Seiten weiterhin zu pflegen und Interessanten und Wissenswertes über Asien zu sammeln. So gilt es mehr als 20.000 Dias aus China und Tibet zu scannen und eine Auswahl ins Netz zu stellen. Da werden sicher einige Fotos einer Welt dabei sein, die es schon heute so nicht mehr gibt.
Es sind fast 4 Wochen seit dem letzten Eintrag vergangen. Nach Shanghai, Singapore und München bin ich inzwischen in Ravensburg angekommen. Wie es sich anfühlt wieder in Deutschland zu sein? Temperaturmassig ziemlich kalt ! Wenn man so lange Zeit in den Tropen gelebt hat trifft einem das bis minus 11 Grad kalte Winterwetter ziemlich hart. Anderseits wurde mir wieder bewusst, wie schön verschneite Winterlandschaften sind. Ansonsten muss ich zugeben, dass ich mich allgemein noch etwas fremd fühle und ich es vermisse, mich viel im Freien aufzuhalten. Langweilig ist mir hingegen sicher nicht, denn es ist viel passiert seit meiner Rückkehr. Zuerst die Ankunft meines Container, dann das Auspacken, neues Auto abholen, die erste Fahrt nach Ravensburg, die neue Wohnung, der erste Arbeitstag, Transporter ausleihen, der Umzug… Hat aber soweit alles gut geklappt, auch wenn die neue Wohnung, bzw Wohnanlage noch eine einzige Baustelle ist und ich die ersten Nächte teils ohne Heizung auf meiner Luftmatratze verbringen musste. Habe auch lernen müssen, dass ich mich in der Vergangenheit zu unrecht über die Chinesen geärgert habe, weil sie terminlich nichts auf die Reihe bekommen, aber was meine neue Wohnung angeht stehen die Deutschen Handwerker, Bauleiter und Markler hier ihren Asiatischen Kollegen um nichts nach! Gut dass ich so gut erholt hier angekommen bin und seit meiner Zeit in Fernost relativ entspannt mit solchen Situationen umgehe. Im neuen Job ist es hingegen sehr sanft angelaufen und der erste Eindrucke der Firma und Kollegen ist positiv. Sehr angenehm ist es wieder geregelte Arbeitszeiten zu haben und gleich in der zweiten Woche aufgefordert zu werden, doch bitte den ‘Resturlaub” bis Ende des Jahres zu nehmen! Welcome to Germany …


